Sokrates SChritte in die Freiheit

Euer Tagebuch ist euer ganz persönlicher Begleiter durch eure rauchfreie Zeit
sokrates
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Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Dienstag 13. September 2016, 17:46

Hallo zusammen

ich habe mich ja bereits vorgestellt und möchte mir nun hier ein Tagebuch aufmachen, in das ich alles reinschreiben kann, wass mich in nächster Zeit so bewegt.
Ich bin nun seid vier Tagen rauchfrei. Dies ist mein sagen wir vierter ernsthafter Versuch.
Erster Versuch war während eines Auslandsstudiengangs in Südfrankreich, wo ich mich gleichzeitig auf meine MAgisterarbeit vorbereiten und von einer verflossenen Liebschaft lösen wollte. Völliger Reinfall demnach.
Zweiter Versuch recht erfolgreich während der SChwangerschaft meines Sohnes. Ich habe dann wieder angefangen, als ich eine niederschmetternde Nachricht über den Kindsvater erfahren habe, der mich noch in der SChwangerschaft verlassen hatte.
Diesen Rückfall habe ich mir voll und ganz verziehen.
Dritter Versuch nach bestandenem Examen zu Physiotherapeutin, weil ich mit einem geisteswissenschaftlichen Studium auf dem Arbeitsmarkt nicht viel anfangen konnte. Herrje, und Physios sind die dollsten Raucher, obwohl wir hin und wieder auch Atemgymnastik für COPD-Patienten durchführen. SChizophren!!! Dieser Versuch versandete irgendwo in der Überforderung einer allein erziehenden, arbeitenden Mutter, die hin und wieder von allem Abstand brauch.
Vierter Versuch ab März diesen Jahres, als ich meine Traumstelle in der ortsansässigen Psychiatrie als Physio zugesagt bekommen habe. Psychisch erkrankte Menschen rauchen auch sehr viel !!!! Dort wollte ich direkt als gutes Vorbild in jeglicher Hinsicht auftreten.
Dumm nur, dass mich parallel nach längerer Abstinenz ein junger Mann verrückt gemacht hat, mit dem ich während einer der diversen Grundsatz-Debatte dann wieder zur Kippe gegriffen habe - mit ihm zusammen - von wegen Freidenspfeife. So ein Quatsch! Der Typ will einfach nicht was er will, und hat mich letzten Samstag, an meinem zweiten rauchfreien Tag auch stehen lassen, weil er nach einer Kippe suchte und sie von mir nicht bekam. Nicht nur das wird er nicht mehr bekommen.

So, und nun dieser Versuch. Doch schon der Fünfte. Irgendwie aus dem Nichts, nachdem ich den Vertrag zu meiner Nebentätigkeit in einer Physio-Praxis unterschrieben habe.Die Mini-Job-Summe gespart über ein halbes Jahr hat mir ein kleines Autochen im Geiste gezeigt - so nah und greifbar, dass ich für dieses Symbol der Freiheit den SChritt gewagt habe.

Das ist natürlich nur eine Metapher - wenn auch eine sehr reale, denn ein Auto ist existentiell wichtig in mancher Hinsicht.

Es geht mir aber natürlich im Kleinen Lebens praktischen um die bewusste Freiheit, wieder Herr im Haus zu sein - sich auf etwas vorbereiten, auf etwas sparen, sich auf etwas freuen und nicht einfach alles schnell, schnell im Moment verpuffen zu lassen, wie das beim Rauchen nun mal passiert.

Zudem hat meine absolute Lieblings-Patientin, die an einer schizophrenen Störung leidet, mit dem Rauchen aufgehört. Und da ich vor Patienten genrell und ihr besonders Respekt habe, konnte ich im Geheimen das Therapeuten-Patienten -Verhältnis umkehren und denken: "Wenn Du das schaffst - und das tust Du - dann mache ich mit!"

Soweit momentan. Alles in Aufruhr, aber hin und wieder still und leise, so, als würde ich mich an frühere Selbstverständlichkeiten erinnern, an die ich mich lange nicht mehr rangetraut habe.

ISt ein tolles Projekt - diese ENtwöhnung - ich weiß, wieviel man über sich lernen kann, wenn man sich traut.
SChön, dass ich dies hier mitteilen kann. Denn ansonsten wäre es nur Schall und Rauch.

Einen schönen Abend in der Sonne
Sokrates

sokrates
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Dienstag 13. September 2016, 20:48

Die Abende sind je wirklich furchtbar in der ersten Teufels Woche.
Da wird mir erst klar, wie sehr ich mich zugenebelt habe, nachdem das Kind gefüttert und zu Bett gelegt war. Einfach nur entspannen mit vielen Zigaretten und Wein auf dem Balkon. Keiner will mehr was von mir. Und nun, will ich abends noch was von mir. Nämlich all die aufkommenden Gefühle zulassen und zumindest versuchen sie einzuordnen oder erstmal auszuhalten.

Wie bereits angedroht, werde ich dem freien Lauf lassen und tue dies hiermit.
Wenn das Kind liegt mache ich nun meine Gymnastik-Übungen zur Kräftigung. Werde in Bälde auch den Betriebssport leiten und muss mich ohnehin wieder hoch kriegen.
Naja, da kam mir einer der Knack-Punkt-Gedanken, die man bekommt, wenn man an der Grenze ist und den Bobbes nicht hoch kriegt.
Doch, doch, doch, ich schaffe das.
Dabei ist mir ein wesentlicher Grundgedanke aufgeleuchtet.
Bisher, als Raucherin, habe ich mich vor diesen Knackpunkt-Momenten gedrückt, obwohl ich sie als ehemalige Leistungssportlerin so gut kenne, und genau weiß, dass es einen nur weiter bringt, wenn man sich ein kleines Stück über die Grenze hinweg beißt. Dann gehts danach viel leichter. Superkompensation, einfache Physiologie.
Ich würde sogar sagen, ich hatte garkein Gespür für die Kraft meines Körpers und habe mich sogar manchmal davor geekelt, dass er so schlaff ist. Das hat nicht nur was mit Ästhetik zu tun, sondern mit innerer Stärke und Selbstbewußtsein.
Es ist als Raucherin, als wolle man sich dieser Stärke nicht stellen, sondern man bleibt lieber in geistigen Höhen ohne in das Fundament des Körpers, in den Bauch, in die Lenden, in das Becken hinab zu steigen, dort hin zu atmen.
Das wirkt sicher auf Einige Esoterisch oder abgedreht. IS mir auch egal - denn es ist was dran für Menschen, die Körpergefühl haben.
In sehr infantilen Gedankengängen wollte ich meiner fundamentalen Kraft nicht stellen, ich wollte sie sogar irgendwie "weg machen".
Jetzt, wo es an die Kräftigung geht, und ich bereits nach vier Tagen merke, dass meine Muckis mehr O2 haben, da geht es in infantilen Gedanken darum "etwas aufzubauen" - nämlich Rückrad, innere Stärke und Stabilität.
Diese Umkehr von "Ich will mich meinem Kern garnicht stellen" zu "ich nehme alle Kraft aus den Tiefen meines Seins und stabilisiere mich" - das hört sich geschwollen an - ist für mich aber grade wichtig, glaube ich. Vom Abbau, der Resigantion, dem WEgschauen zum Aufbau, zur Geduld und Hinschauen, wie schnell man weiter gehen kann.

Naja, es ist nun mal viel mehr Sensibilität da -. in jeglicher Hinsicht.
Es wird ein unglaublich langer Weg, diese feinen Seite über lange Sicht zu schützen, und nicht nur in irgendwelchen euphorischen Anfangs-Zwischen - etc.-Phasen. Ich denke, dass Suchtkranke, wie ich es auch noch immer bin, das Gespür für die zarte, feine Seite in einem Selbst nicht erhören oder garkeine Kenntnis davon haben.
ICh erhoffe mir sehr, dass ich die zarte Seite nicht mehr wegdrücken muss und ihr mehr Gehör schenken werde. Nicht nur abends um zehn, wenn alles ruhig und verschlafen ist, sondern auch im Trubel des Lebens um halb elf.

Soweit - noch einen Durchgang und ab ins Bett
Nachti
Maria - heiße ich egentlich

Glasmurmel

Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Glasmurmel » Mittwoch 14. September 2016, 05:12

Guten Morgen, Maria,
Es ist als Raucherin, als wolle man sich dieser Stärke nicht stellen, ...
Ist eigentlich schon sozusagen des Pudels Kern.
Denn mit der "Süchtelei" zeichnest Du Dir die Welt weich. Du rauchst sie Dir erträglicher und "machbarer". Du hast sehr schnell reflektiert, wofür ich seinerzeit ca. ein halbes Jahr brauchte:
ein Stück weit manövriert sich der Raucher in eine Handlungsunfähigkeit, eine Lähmung, eine Opferrolle hinein. .... macht ja nix, ich mach ne Rauchpause.
Dass das Belohnungssystem nun beim Rauchstopp nicht mehr angesprochen wird, führt zwar zu mehr Dünnhäutigkeit und Sensibilität. Es kann aber auch Energien freisetzen, die vorher nicht zur Verfügung standen. So hast Du nun die Macht, das Leben "aktiv" wieder anzupacken.

Gut machst Du das!

Hier ist noch etwas Lesestoff für Dich.
viewtopic.php?f=17&t=2453

Das Thema ist anch wie vor offen, vielleicht gibts ja noch neue Antworten?

Liebe Grüße
die Murmel

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Der von der Eva
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Der von der Eva » Mittwoch 14. September 2016, 14:35

Maria,

Schon vier Tage, eine tolle Leistung! :servus
Ich finde das richtig gut, daß Du Dir Zeit für Dich selbst nimmst, und vor allem in dieser Zeit das Thema des Nichtmehrrauchens und des Rauchens in allen möglichen Facetten reflektierst, und dann auch noch mit uns teilst. Danke dafür.
Das halte ich für sehr wichtig. Und ja, das ist so: In der ersten Woche kann sich die Zeit sehr zu Deinen Ungunsten dehnen, aber Du machst das toll. Immer schön einen Tag an den anderen reihen. :klasse
Was der Süchti in Deinem Kopf übrigens gar nicht mag: Beschäftigung, Sport, etc. Ich hab den Eindruck, da hat er bei Dir recht schlechte Karten, wenn das richtig lese. Zu tun hast ja offenbar nicht gerade wenig. Das könnte zumindest beim Anfang des Nichtmehrrauchens vorteilhaft sein.

Alles Liebe,
Robert
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sokrates
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Mittwoch 14. September 2016, 19:24

So, noch zwei Tage und ich habe die Hell Week tatsächlich überstanden.
Momentan fällt es mir wieder schwer.
Obwohl ich wie jedes Mal beim Rauchstop rein faktisch merke, dass ich gewisse Dinge direkt erledige und abhacke.
Wie zum Beispiel endlich diesen Gürtel für die zu großen Hosen meines Sohnes zu kaufen.
Da habe ich ihn nach dem Schwimmbad noch hingeschleift. Normalerweise hätte ich das wieder ewig aufgeschoben, weil es lästig ist. Aber vieles im Leben ist nun mal lästig und wird nicht besser, wenn man erstmal eine raucht.
Das sind jetzt so Parolen, die noch nicht mit Leben gefüllt sind - also dem ruhigen Gewisssein, dass man auch meint, was man da sagt. Denn eigentlich ist mir dieser Gürtel natürlich schei.... egal und ich würde meinen Sohn ohne Probleme mit einer Hand am Hosenbund rumlaufen lassen. Das sagt die nachlässige Raucherin, der viele Details egal sind/waren und die nur darauf bedacht war ja nicht zu sehr aus der Komfortzone rausgehen zu müssen und sich nicht wahrlich zu präsentieren, wie man eigentlich ist.

Herrje, das habe ich heute seid langem mal wieder getan. ICh bin nämlich nicht die ständig verständnisvolle, ruhige Person, die alles und jeden verstehen kann.
Nein, im Grunde genommen wird mir wie jedes Mal, wenn alles offen liegt, klar, dass ich eine verantwortungsvolle und stolze Nähe zu meinem Sohn fühle, aber ansonsten maximal alleine dastehe. Und das nicht nur, seid mich der Kindsvater verlassen hatte, sondern bereits seid meiner Kindheit, als mein Vater verstarb als ich 10 Jahre alt war.

Das ist harter Toback - und gerne bagatellisiere ich das, weil ja so viele Andere das besser weg stecken und Partnerschaften und Familien gegründet haben. Ich aber bin in meiner Trauer stecken geblieben, die ich damals nicht zulassen durfte und die erst Jahre später wieder aufbrach als mir bewußt wurde, dass ich keine echte Nähe verspüren kann, weil ich Angst hatte, dass diese Person symbolisch ebenso stirbt. Und so habe ich es auch erlebt.

Ich bin abgebrühter, vorsichtiger vielleicht, aber in erster Linie fühle ich mich nicht mehr als Frau. Ich weiß, dass ich begehrenswert aussehe und vielleicht auch wirke, aber ich habe es ja nie erleben dürfen im Alltag in all den Bagatellen, die eine Beziehung ausmachen.
Und so war es beinahe so, als hätte ich mit den Zigaretten eine Beziehung eingegangen, die immer da sind, mich trösten, keine Fragen stellen und nichts von mir verlangen.

Ich bin mir aber sehr bewußt darüber, dass meine momentane Unfähigkeit eine Beziehung zu führen unmittelbar mit dem Rauchstopp zusammen hängt. Sehr infantil gedacht: Wenn ich mich nur von dem bösen Freund Nikotin trenne, dann bin ich offen und empfänglich für einen echten Freund.
Das sagt man doch so bei Partnerwechseln.


Naja, bei all den anderen Beziehungen im Alltag ist mir heute Folgendes klar geworden:
ich halte sehr oft hinterm Busch mit meinen eigentlichen Emotionen und die sind heute ausgebrochen.

Eine Kollegin fragte mich in ihrer übervorsorglichen Art zum xten Mal, ob es in Ordnung ist, wenn ihc für meine Station und zusätzlich auch für ihre Station zusammen den Rückenfitness- Kurs anleite.
Ich habe ihr zwei, drei Mal neutral nett die Frage bejahrt, bis sie ein viertes und fünftes Mal herumfragte.
Da habe ich mal Tacheles geredet: wenn ich etwas zusage, dann mach ich das, ohne wenn und aber, aber ich will nicht über jeden Schritt erneut debattieren. Das wird in einem "Frauen-Team" nämlich sehr exzessiv betrieben und mir geht das gehörig gegen den Strich. Ich sehe darin ein gesteigertes Aufmerksamkeitsbedürfnis, dass diese Person ihre Handlungen ständig absichern muss, um ja nicht irgendwo anzuecken. Das ist dieser Typ Frau, der jeden Pups mit ihrem Mann abspricht und von der Allgemeinheit ebenso uneingeschränkte Aufmerksamkeit einfordert. Die Krux ist, solche Frauen bekommen das auch - auf ihre suptile Art und Weise - und das macht mich unglaublich agressiv, denn ich hatte nie den Raum oder das Gegenüber, der sich meiner Unsicherheiten so angenommen hat, wie diese Kollegin das einfordert. Ich musste immer ran - und funktionieren - auch wenn ich nicht mehr wußte, wo oben und unten ist: stell Dich nicht so an!

Jedenfalls habe ich sie sicher etwas angeblafft und mich auch danach dafür entschuldigt, aber es hat gut getan, endlich mal aus dem Bauch heraus auf diesen ständigen "Ich will erhöhrt-werden - Terror" zu reagieren.

ICh vermute, dass ich noch des öfteren anecken werde - aber das nehme ich in Kauf. Dafür, dass ich nach gereinigter Luft endlich mal authentisch sein kann. Was auch immer das eigentlich für mich bedeutet :)

So, wieder etwas abgelassen, Tut gut hier zu schreiben. Und danke für eure Antworten, die mir zeigen, dass ihr euch auch tiefer gehend mit dem ganzen THema auseinander gesetzt habt.
Rein pragmatisch ist neben der Gold-Schürferei aber immer erstmal nur wichtig: Heute nicht! Was ist dann nur morgen? Ich habe keine Parolen parat - aber ich schleiche mal weiter voran unsicheren Schrittes.
Eine gute Nacht allen!

Maria

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Der von der Eva
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Der von der Eva » Mittwoch 14. September 2016, 23:52

Maria,

Gratuliere, wieder ein Tag angehängt, gut gemacht. :klasse
sokrates hat geschrieben:... endlich mal aus dem Bauch heraus ...
Das ist sehr wichtig. Was haben wir uns nicht alles schön geraucht, weich gezeichnet.
Du bist momentan in einer Situation, in einer Phase, wo es gesellschaftlich anerkannt ist, mal die Sau rauszulassen, kannst es ruhig mal öfter tun. Jemand, der noch nie oder noch nicht durch diese Türe des Entzugs gegangen ist, versteht sehr selten, wie es in einem aussieht, während man auf Entzug ist. Aber wenigstens hat man nie wieder so eine tolle und anerkannte Ausrede, einfach mal rauszulassen, was man sich denkt. Also kein Problem, sich mal auszuprobieren.
Ich habe erlebt, ich muß weit weniger schlucken, als ich dachte. :lach4 Was wirst Du wohl erfahren?

Das mit dem Partner Zigarette lesen wir hier auch öfters. Wir haben hier auch schon Abschiedsbriefe an diesen Partner gelesen. Fand ich jedes mal toll.
Dieser Partner verlangt übrigens recht viel, wie ich meine. Bei jeder Tagesplanung, oder sonst irgend einer Planung steht er schon da und fragt: Wo bleib ich? Wo und wann und wie kannst Du Dich mit mir verziehen und rauchen? Er hat doch unsere gesamte Tagesplanung um sich herum gebaut, dieser eigenartige Partner, nicht wahr?
Ein Tritt dort hin, wo die Sonne nicht scheint, das gebührt ihm.

Der Schritt ist noch unsicher, und das ist bei allen so, beachte das erst mal nicht. Dazu kommen wir noch. Erst mal einen Tag, erst mal nur heute.
Über morgen reden wir später. Immer eins nach dem anderen.
Heute rauchen wir auch wieder keine.

Alles Liebe,
Robert
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"Wenn ich weiter sehen konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand." -Isaac Newton
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sokrates
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Donnerstag 15. September 2016, 14:46

Vielen Dank lieber Robert,
es tut unheimlich gut, zu lesen, dass da Jemand meinem Kampf folgt und die Irrungen und Wirrungen zu verstehen versucht und teilweise auch kennt.
Ich finde es klasse, dass ihr als alte Hasen eure Zeit und Energie einsetzt, um anderen Menschen bei der Entwöhnung bei zu stehen. Mir hilft es jedenfalls.
Auch wenn es brenzlige Situationen gibt.
Während der Arbeit läuft alles gut - auch wenn die Kollegin, mit der ich gestern aneinander geraten bin, heute frostig zu mir ist. Aber das macht mir auch klarer, dass ich nicht mit Jedem gut Freund sein kann und will.
Immer wenn ich meinen SOhn dann abhole, spüre ich etwas Furchtbares und ich sage das hier ehrlich heraus:
ich habe das Gefühl, dass angestauter Frust, den ich ansonsten weg gedampft habe, sich stärker an meinem Sohn entlädt, wenn er z.B. wie heute mal wieder in die Hose geschissen hat. Dann muss ich stark an mich halten, um nicht laut zu werden. Ich merke aber auch, dass ich diesem Frust nicht durch Geschrei Herr werde, sondern durch Konsequenzen. Das FUßballtraining ist heute gestrichen und wir gehen anstatt dessen Laufen und erfährt Fahrrad nebenher. Mag sein, dass Jemand hier diese Erziehungsmethoden verwerflich findet. Ich merke, dass ich nicht die Verfehlungen von Anderen, meines SOhnes eingeschlossen, immer auspendeln muss. Sonder ich und meine Bedürfnisse sind auch wichtig. Und die lauten: ich will nicht rauchen und das geht am besten mit Laufen. Und wenn mein Sohn nach einem Jahr Rumgeeier immer noch keinen Schritt weiter kommt in Sachen Trocken werden, dann lernt er es vielleicht durch solche Konsequenzen. Das seine Bedürfnisse nicht mehr an erster Stelle stehen, wenn er sich nicht bemüht zu lernen. Naja, das ist ein anderes weites Feld.

Mir wächst das Allein erziehend sein und die Arbeit ohnehin häufig über den Kopf.
Mir geht abends häufig durch den Kopf, dass mich wahrhaftig niemand berührt - und das schon lange.
Sondern berühren tue ich die Anderen - durch meine Arbeit - und die tue ich sehr gerne.
Es mangelt mir aber ganz klar an Zuneigung und das wird durch das momentane Vakuum noch deutlicher.

Naja, jetzt werden wir erstmal noch die Sonne draußen genießen und dann ist morgen der letzte HellWEek-Tag. Darauf bin ich dann tatsächlich stolz.
Dann ist WE und wir gehen zelten hier im Umkreis und holen uns auch so mal runter auf die Erde. Nachher gibt es sicher wieder mehr zu berichten aus dem Suchthirn, dass auch nach Feierabend arbeitet.

Gruß
Maria

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reboot
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von reboot » Donnerstag 15. September 2016, 16:24

Hallo Maria,
es tut mir leid, aber ich finde es schon ziemlich daneben, wie du über deinen Sohn schreibst. Wenn er in die Hose macht , hat das bestimmt auch Gründe. Ich bin auch alleinerziehende Mutter.Sogar von 2.Kindern. Und ich würde niemals so über sie schreiben. Tut mir leid, auch wenn ich mich hier unbeliebt mache, aber das musste ich mal loswerden.

reboot

Spassbremse

Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Spassbremse » Donnerstag 15. September 2016, 17:16

Hallo Maria,

wie alt ist dein Sohn denn ?

Viele Grüße,
Wolfram

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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Donnerstag 15. September 2016, 18:16

Liebe Reboot,
ich finde es ziehmlich daneben aus einer Momentanbeschreibung eine so allgemeine Verurteilung zu äußern.
Und ich sagte zu Beginn, dass ich mich traue ehrlich zu sein - und dachte dies sei in einem solchen Forum möglich.
Ich bin mir nicht sicher, ob die große Allgemeinheit in Ausnahmesituationen zu ihren gefühlten Verfehlungen steht und diese publik macht. Sondern ich glaube viel mehr, dass sie klamm heimlich ihren Kindern enormen Druck auferlegt.

Und nur um auch einmal persönlich zu werden zum Abend hin, vermute ich gerade, dass so moralisch einwandfreie Personen wie Du es zu sein scheinst, mit Sicherheit ebensolche Situationen erlebt haben musst und wahrscheinlich pädagogisch einwandfrei gehandelt hast. Ob Deine Kinder ihre wahre Mutter bei diesem Theater erlebt haben, das wage ich zu bezweifeln.
Da ist es mir lieber, dass mein Sohn auch meine enttäuschten und bisweilen auch agressiven und bösen Gefühle erleben darf, um sich danach durch ebenso intensive freudige Erlebnisse wieder zusammen zu schweißen.

Aber ich lasse es und muss mich vor einer so deplazierten Diffamierung nicht rechtfertigen. Ich weiß am besten, wo unsere Grenzen sind. Dass ich diese gerade zum Positiven hin ausweiten wollte und mit dem Rauchen aufhöre, was mein Sohn übrigens natürlich auch wünscht, war der Grund hier zu schreiben. Offen und ehrlich ohne an den Pranger gestellt zu werden.

Ach ja, mein Sohn ist vier, Wolfram.
Und ich wäre erfreut, wenn sich dieses Forum aus Erziehungsfragen heraus hält.
Ansonsten kann ich auch gerne bei dem Einheits-Blabla bleiben, was mir persönlich nicht viel weiter helfen wird.
In Person eines Roberts hatte ich eine echte Hilfe gesehen. Ich werde mir nun aber überlegen, ob ich mich hier weiter öffnen möchte.

Schönen Abend
M.

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Mickie
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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Mickie » Donnerstag 15. September 2016, 20:13

HI Sokrates,

ich habe gerade aus ganzem Herzen gelächelt, weil du mich erinnert hast wie ich am Beginn des Rauchstopps erstmal um mich herum zum Befreiungsschlag kam und all den angestauten Frust rausgelassen habe. Danke für deine Ehrlichkeit.

Bezüglich darf man hier im Forum es so ehrlich schreiben ja darf man und ich finde es auch natürlich das es bei der Menge an Usern hier welche gibt die sagen Oh Gott wie kann die nur... Aber ganz ehrlich ich kann dich sogar verstehen. Gott was war ich mal genervt weil mein Sohn der Ansicht war, die Hose ohne Windel wäre der bessere Ort für ein Grossgeschäft. Und jede ehrliche Mutter und jeder ehrliche Vater würde bei aller Liebe zu seinem Kind mal sagen: ey am Liebsten würde ich dir ein Zettel umhängen mit den Worten: Zu verschenken.
Kinder fordern uns heraus und auch immer wieder an unsere Grenzen und wir können nur schauen wie wir Erwachsen damit umgehen.

Von mir bekommst einfach mal Verständnis für die Situation und ich habe Respekt vor jedem der sein Kind alleinerziehend gross zieht und wenn du dann noch zusätzlich den Rauchstopp packst wunderbar. Es ist eine grosse Kunst zu schauen wo sind die eigenen Bedürfnisse, wo die der anderen, wie kann ich gut auf mich achten und zeitgleich auf die mir anvertrauten und auch wenn der ein oder andere den Kopf schüttelt, ja es ist gut seinen Frust auch mal rauszutippen.

Geh tapfer weiter jeden Tag auf deinen NMR-Weg und ich wünsche dir viel Gelassenheit bei dem Kleinen Mann der seinen Weg in die Welt noch sucht und dich als Halt und Orientierung braucht mit aller Liebe die nur eine Mutter geben kann.

Ich drück dir die Daumen.

Lieben Gruß

Mickie

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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von sokrates » Donnerstag 15. September 2016, 20:47

Danke lieber Mickie,
es ist nicht das erste Mal, dass ich dafür kämpfe, die fundamentalen Hintergründe ans Licht zu zerren, die eigentlich jede menschliche Beziehung ausmacht. Und die sind nicht schön und schnuckelig anzuschauen, so wie es diese Dame gerne sehen möchte.
Dass mir die ausgewogene Sichtweise momentan abhanden gegangen ist liegt doch auf der Hand. Ich mache gerade einen Entzug!!!

Egal, ich hatte schon oft diese Schönwetter-Debatten und bleibe dabei, dass für mich das Fundament stabiler sein muss.

Danke Mickie - habe nach deinen Worten das Gefühl, dass es sich lohnt weiter zu graben - und die Contenance zu bewahren so gut es geht.
Jetzt kann ich erstmal schlafen nach der irrealen virtuellen Aufregung.

M.

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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Mickie » Donnerstag 15. September 2016, 20:54

Bitte gerne und ja neben Schönwetter gibt es auch Regenwetter..

Tja und die meisten hier sind grad auf Entzug, das ist manchmal immer brisant und ich war da auch immer brisant.
Ich wünsche dir eine gute Nacht und morgen einen tollen rauchfreien Tag.

Lieben Gruß

Mickie

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Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von reboot » Freitag 16. September 2016, 08:45

Hallo Maria,
ich wollte dir auf keinen fall zu nahe treten. Wenn ich das getan habe ,endschuldige ich mich dafür. Aber, wenn du so etwas persönliches hier postest, musst du damit rechnen, das man sich dazu äußert.Und vielleicht auch mal negativ. Da ich als Erzieherin tätig bin, mache ich mir über dich, bzw.über deine Situation natürlich mein ganz eigenes Bild. Dazu möchte ich dir noch folgenes sagen. Das ein Junge mit 4.Jahren noch gelegentlich in die Hose macht, ist nichts ungewöhnliches. Gerade Jungs brauchen da etwas länger. Mit schreien, oder Verboten erreichst du da garnichts. Viel mehr solltest du schauen, woran es liegt. Und vielleicht mal das Gespräch mit den Erziehern suchen. Ich möchte mich dazu auch nicht mehr äußern. Du wirst deinen Weg finden. Auch möchte ich dich bitten, mir keine beleidigenden persönlichen Nachrichten mehr zu schicken.Danke ! In erster Linie verfolgen wir hier alle das gleiche Ziel , mämlich vom rauchen weg zukommen, und dies erfolgreich umzusetzen.

Freundliche Grüße

reboot

Lani

Re: Sokrates SChritte in die Freiheit

Beitrag von Lani » Freitag 16. September 2016, 09:45

Hallo ihr Lieben,

bitte denkt dran, dass auch euer gegenüber hier häufig gerade sehr blank liegende Nerven hat, bedingt
durch den Entzug und eine ehrliche Reflexion immer erwünscht ist.
Häufig kennen wir Umstände und Hintergründe der Person am anderen Ende nicht und es wird natürlich immer
auch nur so viel preis gegeben, wie man selber nach außen dringen lassen möchte. Dadurch können leicht verzerrte Bilder entstehen
und dann auch zu Missverständnissen führen.
Dadurch sollten wir einen respektvollen Umgang miteinander aber niemals vergessen. :X
Am Ende haben wir ja lle das selbe Ziel:
:freisein und das geht gemeinsam am Besten.

Liebe sokrates,
mit dem Rauchstopp kommen doch immer viele VEEränderungen daher.
Man hat plötzlich viel mehr freie Zeit, die man füllen muss und die Gedanken wierden
sowohl positiv und negativ nicht mehr so vernebelt.
Das machtd ie Welt farbenfroher und schöner (wenn du mich fragst) und doch muss man
sich erstmal dran gewöhnen, die "Sonnenbrille" abgenommen zu haben, um die Farben zu erkennen.
Ich denke das machst du sehr gut!
Weiter so :klasse

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