Meine Suche nach dem Willen

Euer Tagebuch ist euer ganz persönlicher Begleiter durch eure rauchfreie Zeit
ryo
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Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Samstag 10. Juni 2017, 22:43

Hallo liebe Nicht-mehr-Raucher, Exraucher und solche, die es werden wollen -

man nennt mich Kat und ich rauche schon seit etwa 12 Jahren, momentan bin ich 27. Wie wahrscheinlich die meisten habe ich jung angefangen und wurde von damaligen Freunden dazu verleitet, anzufangen. Die erste Zigarette hat scheußlich geschmeckt und doch habe ich angefangen, um mitreden und -rauchen zu können und nicht ausgeschlossen zu sein. Wie falsch ich doch lag! Und wie wahrscheinlich jeder rauche wünsche ich mir, ich hätte nie angefangen, um jetzt nicht vor dem großen Problem zu stehen: wie höre ich wieder auf mit dem Teufelszeug?

Das hier wird mein erster Tagebucheintrag und vermutlich auch der längste (wenn ihr nicht durchhaltet, versteh ich das), denn ich will Euch erklären, wie ich schonmal aufgehört habe und trotzdem wieder eingestiegen bin, was meine momentanen Probleme sind und welche (und wieviele) Gedanken ich mir über das Rauchen mache. Los gehts. :-)

Ich habe lange gerne und viel geraucht, zwischendurch mal ganz wenig, aber dann bin ich wieder voll eingestiegen. Doof!
Letztes Jahr im Mai war ich mit meinem Freund auf einem Konzert, die ganze Nacht geraucht und viel getrunken, am nächsten morgen hatte ich Frühdienst. Die Zigarette nach dem Aufstehen hat mir nicht geschmeckt, also hab ich beschlossen, aufzuhören -

DER WILLE WAR DA!

Ich hab eine Woche lang jeden tag nur 1-2 Zigaretten abends geraucht, dann bin ich für eine Woche als Abschlussfahrt von der Ausbildung nach München gefahren und habe dort endgültig aufgehört. Es waren sehr viele Raucher in der Ausbildungsklasse und es war nicht einfach, aber ich hab es geschafft! Es war unheimlich schwer, aber ich habs geschafft. Ich habe angefangen regelmäßig zu joggen um mich abzulenken und hab - natürlich - viel gegessen und dementsprechend zugenommen. Es hat mich ein bisschen gestört, aber ich hab mir gesagt - lieber 5 Kilo mehr als Lungenkrebs.

Natürlich hab ich viel nach Rauchstopp gegoogelt und mich eingelesen in die Materie und bin so auf Allen Carr gestoßen, ein genialer Mann. Ich habe das Buch gelesen und danach war ich überzeugt, nie wieder rauchen zu müssen! Das war ein schönes Gefühl und ich war richtig begeistert, habe allen möglichen Leuten davon erzählt und das Buch weiterempfohlen. Das Buch hat mir meine Abneigung gegen das Rauchen erklärt und vieles, was man unterbewusst wahrnimmt, in Worte gefasst, die für jeden verständlich sind. Toll!

Mein Freund ist Gelegenheitsraucher - er MUSS nicht rauchen, er WILL. Er kann auch mal vier Wochen einfach garnicht rauchen, wenn er nicht möchte und hat keine Entzugserscheinungen. Ich beneide ihn darum, aber das bringt mir nun auch nichts. Ich habe meinen Freund darum gebeten, keine Rücksicht auf mich zu nehmen und einfach weiter zu rauchen. Es war immer Tabak da, den ich aber nicht angerührt habe. (Momentan frage ich mich, wie zum Teufel ich das geschafft habe.) Ich habe jedes Mal, wenn sich irgendwer eine Zigarette angesteckt hat, einen kleinen Stich gespürt und da war dann doch wieder dieses "ich würde gerne..." - was ja absolut blöd ist! Alle waren begeistert davon, dass ich aufgehört habe, haben mich mit Lob und Anerkennung überschüttet und ich war super stolz.

Naja, im September hatte ich meine Ausbildung abgeschlossen und sofort einen Job bekommen - in der Nachtschicht. Ich bin in dieser Nachtschicht von 21:00 bis 6:30 alleine im Haus, habe mäßig viel zu tun (jede Nacht habe ich etwa 2-3 Stunden, in denen ich nichts zu tun habe und lesen oder andere Dinge tun kann), also ein sehr angenehmer Job. Das große, riesige, blöde Problem ist aber, dass du meinen Aufgaben gehört, für einen Bewohner Zigaretten zu drehen. Es ist alles da, Tabak, Drehzeug, Feuerzeug - und die Gelegenheit zu rauchen. Die Bewohner schlafen irgendwann, und selbst wenn nicht, kann ich trotzdem ungesehen auf den Balkon und mir dort eine anstecken.
Es hat leider nicht lange gedauert und ich habe genau das getan. Zuerst nur ein Zug - es hat mich gereizt und ich habe nachgegeben. Was für eine dumme, dumme Tat! Ich bereue es, wirklich, aber früher oder später wäre es so oder so passiert. Der eine Zug war furchtbar und ich habe es gelassen. Ein paar Nächte später hat mich das Verlangen wieder übermannt und zack! - ich hab mir wieder eine angesteckt, diesmal ein paar mehr Züge. Und dann noch eine Zigarette. Ein paar Wochen später war ich schließlich bei 5-6 Zigaretten pro Nacht, je nachdem, wie langweilig mir war. Tja, das war letzten Oktober und jetzt haben wir Juni und ich rauche wieder, aber nur heimlich. Mein Freund raucht weiterhin, zwar nicht mehr zuhause, aber wenn wir weg sind oder bei Freunden - das heißt, er hat immer Tabak da, in seiner Tasche oder seinem Rucksack. Ich weiß das, weil ich da schon öfter stibitzt habe und daheim heimlich rauche, wenn er schläft oder nicht da ist. Drei, vier Mal hab ich mir mittlerweile schon selbst Tabak gekauft, der reicht aber immer etwa 3-4 Wochen, da ich ja nur wenig rauche(n kann).

Vor kurzem war ich auf einem großen Geburtstag, ich kannte nur 3 Leute, darunter auch mein Freund... und es ging heiß her, es floss Alkohol und die Stimmung war grandios, also hab ich mir vor meinen Freunden eine angezündet. Mein Freund hat nichts gesagt, er lebt nach dem bewundernswerten Motto "leben und leben lassen", er würde nie auf die Idee kommen, mir deshalb Vorwürfe zu machen und darüber war ich in dem Moment auch ganz glücklich. Im Nachhinein fühle mich schlecht und werde definitiv nie wieder in der Anwesenheit anderer rauchen!


So, soviel dazu...
ich beschäftige mich momentan enorm viel mit rauchen, habe Allen Carr nochmal intensiv gelesen, Foren durchkämmt und Videos angesehen, um mir die Thematik klar vor Augen zu führen und Motivation zu finden. Ich habe mein eigenes Verhalten analysiert und bin auch dahinter gekommen, was meine Auslöser sind, aber ich habe noch keine Lösung gefunden, um die Auslöser zu umgehen oder zu manipulieren. Vielleicht hat ja jemand von Euch eine ähnliche Situation und kann mir einen Rat geben?

Allen Carr ist genial und ja, mir leuchten alle Dinge ein, die er schreibt. Rauchen ist doof, weil ich mich der Sucht unterwerfe. Meine Gedanken werden jeden Tag von diesen todbringenden Krümeln beherrscht, sie kontrollieren mich, und das will ich nicht! Rauchen ist, als würde ich meinen Kopf gegen die Wand hauen und dann aufhören, nur um zu spüren, wie schön es ist, wenn der Schmerz weg ist. Rauchen ist Selbstgeißelung, oh ja, das ist mir vollkommen bewusst! Ich stimme allem zu, was er sagt - der Gehirnwäsche, seinem Versuch der Anti-Gehirnwäsche, ich weiß, dass rauchen absolut garnichts bringt außer Abhängigkeit, Gestank, schlechten Atem, schlechte Haut und so weiter. Ich weiß das. Ich weiß:
Was passiert, wenn ich jetzt KEINE Zigarette rauche? Genau GARNICHTS. Es passiert nichts. Die Erde dreht sich weiter, das Leben geht weiter, mit dem einzigen Unterschied, dass ich NICHT rauche. Und das ist ja etwas gutes!! Oder doch nicht...?
Und ich bin mittlerweile sogar zu der Erkenntnis gelangt, dass es GUT ist, wenn ich Entzugserscheinungen habe - das Verlangen -, denn wenn ich die spüre, dann entgiftet mein Körper, dann wird das Nikotin weniger, dann fange ich an, Exraucher zu sein.


UND TROTZDEM - der Funke ist nicht übergesprungen. Ich schaffe es einfach nicht, zu 100% aufhören zu WOLLEN. Ich will zwar, ich will das alles hinter mir lassen, aber ich kann es einfach nicht, weil ich noch nicht komplett will. Ich bilde mir eine, dass ich das Gefühl brauche, den Rauch einzuatmen, dass ich es genieße, zu inhalieren. Bäh! Dabei ist das doch so ekelhaft! Aber trotzdem hat es was...

Ich denke, mein Gehirn ist darauf konditioniert: wenn ich zur Arbeit gehe, darf ich rauchen. Wenn ich das und das gemacht habe, gibts eine Zigarette. Ich hab auf Arbeit meistens bestimmte Uhrzeiten, zu denen ich rauche. Ich hab schon probiert, stattdessen Sport zu machen - ich habe eine Hantel dabei und kenne gute Eigengewicht-Übungen. Ich hab meinen Laptop dabei, mein Handy, meinen E-Reader, ich kann mich also sehr gut beschäftigen, aber immer hab ich die blöden Zigaretten im Hinterkopf. Ich mache mir einen Tee, sauge an einem Bleistift als Ablenkung, aber es hilft einfach nichts, ich WILL leider immer noch rauchen, obwohl ich doch eigentlich nicht will! Das ist doch paradox!

Mein Verhalten zuhause ist etwas schwieriger nachzuvollziehen. Ich habe das Gefühl, ich MUSS die Gelegenheit nutzen, wenn mein Freund nicht da ist oder schläft, und mir heimlich etwas gutes tun. Ich kann es nicht wirklich beschreiben, aber diese Heimlichtuerei fühlt sich an wie eine Belohnung, obwohl sie ja eigentlich das totale Gegenteil ist. Ich möchte ja nichts verheimlichen! Ich habe permanent ein schlechtes Gewissen, fühle mich schlecht und werde paranoid (weil ich denke, die Kollegen von der Frühschicht riechen etwas, mein Freund riecht etwas, ich vergesse mal irgendwo Tabak oder einen Zigarettenstummel), und TROTZDEM rauche ich weiter, weil ich diesen "Kick" brauche.
Ich kann garnicht ans rauchen denken - aber sobald mein Freund sagt, er fährt jetzt zu einem Freund oder sonstwo hin, fängt das Gedankenkarussell an. Mein Hirn schaltet automatisch auf "GLEICH KRIEGST DU GELEGENHEIT FÜR DEINE HEIMLICHE BELOHNUNG!" und ich kann an nichts anderes mehr denken. Momentan habe ich genau 0 Tabak zuhause, ich habe alles entsorgt, weggeschmissen, ja sogar weggeraucht, es ist effektiv genau nichts mehr da. Und trotzdem weiß ich, dass ich morgen wieder rumsuchen werde, vielleicht sogar neuen Tabak kaufen.

Die ganze Situation belastet mich, ich würde mein Gehirn gerne austricksen und weiß doch nicht, wie ich das bewerkstelligen soll.

Ich weiß, ich muss meine Rituale und Muster durchbrechen. Aber wie?
Vorhin habe ich einen Beitrag gelesen, in dem eine Exraucherin erklärt hat, dass sie ganz bewusst ihre Muster und Rituale durchbricht und sich darüber freut. Ich könnte mir vorstellen, dass ich daran auch Freude hätte - ich mag es, Fortschritt zu sehen - aber am liebsten würde ich dabei rauchen! Das ist echt verrückt.


Ich weiß, ich muss meinen Willen finden, aber wo soll ich danach suchen?
Durch die vielen Lektüren, die ich zum Thema durchgeblättert habe, weiß ich beim Thema rauchen sehr gut Bescheid - die Mechanismen, die Gefahren, die Dummheit hinter dem ganzen. Aber trotzdem kann ich meinen Willen, komplett aufzuhören, nicht finden. Und ich weiß nichtmal, wieso. :-(

Fast in jeder Nachtschicht rauche ich um kurz vor Mitternacht eine Zigarette und schwöre mir, es ist die letzte. Nur um eine Stunde später wieder draußen zu stehen, weil das Nikotin weniger wird und ich lieber dem Verlangen nachgebe, als mich durchzukämpfen.

Ich weiß, es geht vielen Rauchern so, aber mittlerweile fühle ich mich einfach nur wie eine Versagerin, so willensschwach, dass ich den einfachen Weg gehe und nicht den, der zwar schwerer ist, aber mir auf lange Sicht so viel mehr bietet als dieser blöde Teerweg.


Vielen Dank an alle, die sich die Mühe gemacht haben, diesen sehr langen ersten Tagebucheintrag zu lesen! Ich weiß Eure Geduld und Euer Interesse sehr zu schätzen und hoffe, dass ich vielleicht mit dem einen oder anderen ins Gespräch komme, wir uns austauschen können und vielleicht zusammen unseren Willen finden.

Ich wünsche Euch eine gute Nacht und vielleicht bis bald,
Kat

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Khandro » Sonntag 11. Juni 2017, 13:23

Hi Kat,

in einigen Teilen Deines Beitrages kann ich mich sehr deutlich wiederfinden. Eigentlich in fast allen. Nur könnte ich diese Unregelmäßigkeiten nicht aushalten.

Du hast geschrieben, Du hast Dich und Deine Auslöser analysiert. Was genau sind denn die Auslöser? Das Heimliche? Das Verbotene? Die Angst/der Nervenkitzel, nicht erwischt zu werden?

Ich würde Dir gerne das 24 Stunden Prinzip vorschlagen. Wir können uns gerne verabreden und einen Pakt über 24 Stunden Abstinenz schließen. Und danach machen wir das wieder, sofern Du das dann willst. Und das machen wir so lange, bis Du keine Lust mehr hast und bis Du wieder rauchen willst. Ich werde Dich davon nicht abhalten. Wir können auch kürzere Abstände nehmen.
Liebe Grüße
Khandro


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Mickie
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Mickie » Sonntag 11. Juni 2017, 14:03

Hi Kat,

erstmal :wk2

komm an und les dich ein bissl ein und du wirst bestimmt feststellen, dass du nicht alleine bist.

Ich glaube nahezu jeder hier, kennt diese Situation aufhören wollen und dann doch wieder zur Kippe zu greifen.
Am Anfang glaub ich reicht es sich zu entscheiden ich will NichtMehrRaucher werden, alleine mit dieser Entscheidung fängt ein Prozess an der Wichtig ist. Ein Zweiter Punkt ist, sich selber eingestehen, ich bin Süchtig!
Kannst du beides für dich bejahen? Musst darauf gar nicht hier antworten, nur ganz tief in dir drin hören.

Tja und dann heisst es abspringen, Khandron zeigt dir schon einen guten Weg auf.
Im Grunde hat sie schon beschrieben, womit hier viele erfolgreich auf den NMR Weg kamen, erstmal nicht so weit denken, erstmal nur Jetzt, Jetzt rauche ich keine, was später ist fragen wir uns dann Später. Das erste Ziel erstmal einen Tag zu schaffen. 1 Tag, 24 Stunden, das klingt nicht so hart wie Nie wieder. Schiebe deine nächste Zigarette immer wieder weiter weg, denn jetzt ist ein doofer Zeitpunkt eine zu Rauchen, denn jetzt ist es besser hier zu schreiben.

Ich drücke dir die Daumen auf deinem NMR-Weg.

Lieben Gruß

Mickie

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Neversmoke » Sonntag 11. Juni 2017, 19:02

:bighallo

Also habe selber das Problem den Absprung zu finden, aber denke den wirst du finden. Der Vorschlag mit den 24 Stunden finde ich gut, oder sich einen Unterstützer im realen Leben suchen

Herzlichen Gruß Rudolf
Lass es zu, dass die Zeit sich um Dich kümmert
Hör mir zu, und mach es nicht noch schlimmer
Denn es gibt 'nen neuen Morgen
'nen neuen Tag, ein neues Jahr
Der Schmerz hat Dich belogen
Nichts ist für immer da
Böehse Onkelz
:wacken
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ryo
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Sonntag 11. Juni 2017, 22:34

Wow, ich bin ganz schön erstaunt, dass ich so schnell so viel Feedback bekomme - erstmal eine dickes DANKE dafür! :-)

Khandro hat geschrieben:Du hast geschrieben, Du hast Dich und Deine Auslöser analysiert. Was genau sind denn die Auslöser? Das Heimliche? Das Verbotene? Die Angst/der Nervenkitzel, nicht erwischt zu werden?
Ich denke, der Auslöser bei der Situation, wenn ich alleine bin bzw. mein Freund schläft, ist die Kombination aus Gelegenheit und Konditionierung. Die Gelegenheit, heimlich etwas zu tun - ja, vielleicht der Nervenkitzel, ich weiß es nicht? Warum klaut ein Kleptomane? Vielleicht ist es das selbe Prinzip, ich bekomme die Gelegenheit und mein Gehirn zwingt mich, sie zu ergreifen, obwohl ich das eigentlich garnicht will. Und zum anderen die Konditionierung - ich mach das jetzt schon so lange, dass es sich "eingebürgert" hat. Jetzt gehts, denke ich, darum, dass ich diese Gedankenkette irgendwo unterbreche. Ich muss nur noch den Punkt finden, an dem ich sie tatsächlich wirksam aushebeln kann. Der Nervenkitzel bzw. die Angst ist eher kein Auslöser, ich kriege nämlich eher paranoide Gedanken dabei und das ist eher unangenehm.

Khandro hat geschrieben:Ich würde Dir gerne das 24 Stunden Prinzip vorschlagen. Wir können uns gerne verabreden und einen Pakt über 24 Stunden Abstinenz schließen. Und danach machen wir das wieder, sofern Du das dann willst. Und das machen wir so lange, bis Du keine Lust mehr hast und bis Du wieder rauchen willst. Ich werde Dich davon nicht abhalten. Wir können auch kürzere Abstände nehmen.
Das ist eine wunderbare Idee! Wie kommst du denn zurecht mit deinen 66 Tagen rauchfrei, bist du glücklich?
Ich würde gerne morgen anfangen. Das wird schwierig, weil mein Freund morgen arbeitet hat und erst um 17:00 Uhr zuhause ist, also hab ich den ganzen Tag, um mich irgendwie vom Rauchen abzuhalten. Naja, ist vielleicht ein ganz guter Ansatz, das unter Stress zu tun - Allen Carr sagt das ja auch. Ab morgen, wenn ich aufstehe (wann auch immer das sein wird) - ab da 24 Stunden lang nicht rauchen. Ich freu mich drauf.


Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, ob ich nicht vielleicht etwas ZU überzeugt bin von Allen Carr. Laut ihm MUSS ich ja den 100%igen Willen haben, nur mit Willenskraft werde ich nie zum "glücklichen Exraucher". Das hat sich in meinen Kopf eingebrannt, weil es für mich Sinn macht. Aber was, wenn ich niemals das Gefühl haben werde, zu 100% nicht rauchen zu wollen? Er schreibt, es fällt ihm wahnsinnig leicht. Mir vielleicht nicht. Mache ich dann etwas falsch? Oder ist Allen Carr doch nicht das Maß aller Dinge? Fragen über Fragen. :-)

Glasmurmel

Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Glasmurmel » Montag 12. Juni 2017, 08:23

Herzlich Willkommen hier.
Wie gehts Dir denn heute?

Bist Du schon gestartet?
Vielleicht helfen Dir ein paar Dinge hier: viewtopic.php?f=17&t=998?
Oder in der übergeordneten Box?

Viel Erfolg wünsche ich Dir.

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Montag 12. Juni 2017, 12:02

Guten Morgen :)

ich bin gerade in den Tag gestartet - durch die Nachtschicht bin ich oft auch an freien Tagen erst Mittags wach, der Körper braucht viel Zeit, um sich wieder umzustellen.

Mir gehts soweit gut, ich versuche, nicht ans Rauchen zu denken (was momentan sehr gut klappt) und hab schon meinen Tagesplan gemacht für heute - saugen, joggen, duschen, einkaufen, Freund kommt nach hause. Ich hab das Gefühl, wenn ich nur genug zu tun hab, sodass ich nicht allzu intensiv und begehrend ans Rauchen denken kann, klappt das schon.

Danke für deinen Link, den Thread hatte ich mir schon durchgelesen und da einiges Hilfreiches herausgezogen. :-) Werde mir bald noch einige andere Tagebücher und Tipps anschauen.

Ich hab gestern abend noch alle übrigen Zigaretten nass gemacht und in den Müll geworfen. Grade geguckt, sie sind immer noch nass :-D :-D ich bring gleich mal den Müll runter, dann hat sich das auch erledigt. Und sonst ist absolut nichts rauchbares mehr im Haus - außer Katzenminze, und die schmeckt furchtbar, da rauch ich eher garnicht, als die anzurühren. Damit hab ich den ersten Versuch "unterstützt", statt Tabak Katzenminze. Ja, man kann sie wirklich rauchen, das soll leicht beruhigend wirken, aber der Geschmack ist so unglaublich furchtbar... nee!

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Khandro » Montag 12. Juni 2017, 15:45

Oh, dass jemand seiner Mietz die Minze weggeraucht hat, habe ich auch noch nicht gehört. Aber glaube mir, ich hab da schon schlimmere Dinge getan... :-)

Ok, also unser Pakt steht. Bald kommt Dein Freund nach Hause, dann ist die Gelegenheit eh dahin. Bist ja bis hierhin schon mal gut unterwegs.

Die Kondition hebt sich bald auf, glaub mir. Je öfter Du nun nicht rauchst, während Dein Freund nicht da ist, umso leichter fällt Dir das. Aber da sind wir jetzt erst mal auch noch nicht. Jetzt geht es erst mal darum, dass Du heute nicht rauchst. Und das schaffst Du!

Mir geht es mit meinen jetzt 67 Tagen NMR sehr gut. Klar giubt es Situationen, die nervenaufreibend sind, gerade im Moment. Aber die Gedanken an eine Zigarette sind kurz und knackig, und danach vergesse ich es wieder und denke an etwas völlig anderes. Also hab keine Angst, das immer dran denken hört auf, auch bei Dir!
Liebe Grüße
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Marc » Montag 12. Juni 2017, 21:26

Kat,

ich bin beeindruckt von deinem ersten Post hier. Du packst das mit Bravour. Du hast ein immenses Wissen, hast Erfahrung.

->Willst Du dich in den nächsten 5 / 10 / 20 / 30 / 40 Jahren selbst bescheißen und belügen?

-> Glaubst Du wirklich, dass dein Freund das nicht mitbekommt?

-> Du stellst dich doch nicht vor den Spiegel, und sagst dir: " Ich bin eine taffe Persönlichkeit, rauche heimlich....."

Du bekommst das hin. Und wir helfen dir......

rfG M.
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Mickie » Montag 12. Juni 2017, 23:09

[quoteI]ch habe mir Gedanken darüber gemacht, ob ich nicht vielleicht etwas ZU überzeugt bin von Allen Carr. Laut ihm MUSS ich ja den 100%igen Willen haben, nur mit Willenskraft werde ich nie zum "glücklichen Exraucher". Das hat sich in meinen Kopf eingebrannt, weil es für mich Sinn macht. Aber was, wenn ich niemals das Gefühl haben werde, zu 100% nicht rauchen zu wollen? Er schreibt, es fällt ihm w[/quote]

Dieses Zitat mal nehme und sage ja Herr Carr hat ein Buch geschrieben zu seiner Sicht der Nikotinsucht, ja er hat viele Raucher Wege gezeigt wie es gehen kann. Am Ende ist es seine Wahrheit über die Sucht. Was ist deine? Über ihn kann man viel lernen und er kann hilfreiches aufzeigen, als die einzige Wahrheit zu bezeichnen ????

Hier im Forum auf deinem Weg da wirst deine Wahrheit über die Sucht finde und deine Wahrheit über den Ausstieg finden.

Du schaffst das.

Lieben Gruss

Mickie

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Dienstag 13. Juni 2017, 09:58

Danke für eure netten Posts, wirklich!!
Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich gestern nicht durchgehalten habe. Tagsüber ja, wir hatten abends Besuch von Freunden, waren Pizza essen, anschließend noch bei uns zuhause zusammengesessen - alles kein Problem, mein Freund hat sogar geraucht währenddessen und ich hab nicht direkt dran gedacht, jetzt auch rauchen zu müssen. Der Rauch stört mich, ich finde es eklig, wie er riecht und wie er mir die Luft zum Atmen nimmt. Schon blöd, dass einen der Rauch nur stört, wenn andere rauchen, aber nicht, wenn man selber raucht! Wenns andersrum wäre, wärs viel einfacher mit dem aufhören. :nick
Sobald er jedoch im Bett war - er hatte seinen Tabak auf dem Tisch liegen lassen - konnte ich wieder an nix anderes denken. Konditionierung ist echt was saublödes!

Ich hab jetzt grade den Aschenbecher ausgeleert, damit ich nicht in Versuchung gerate, die blöden Stummel zu rauchen. Zigaretten bzw. Tabak ist wieder keiner im Haus und mein Freund kommt heute erst sehr spät, also ich hab Gott sei Dank heute wieder keine Gelegenheit.. also ist heute der nächste Versuch.
Ich hoffe nur, dass ich ab jetzt nicht täglich hier reinschreiben muss, dass ich versagt habe - lügen will ich nicht, das ist ja nicht der Sinn des ganzen, aber mein Versagen hier vor versammelter Mannschaft auszubreiten ist auch wirklich kein gutes Gefühl. :daumenrunter :daumenrunter
Vielleicht nimmt mein Hirn das ja als Anstoß, jetzt endlich mal Ruhe zu geben.

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Khandro » Dienstag 13. Juni 2017, 10:28

Huhu Kat,

könnte es Dir nicht vielleicht helfen, wenn Du Dein Versteckspiel offen legst? Dann machst Du die Tür zu fordern Gelegenheiten zu. Ich glaube, dass es nicht einfach nur eine Konditionierung ist.
Liebe Grüße
Khandro


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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Dienstag 13. Juni 2017, 11:36

Khandro hat geschrieben:Huhu Kat,

könnte es Dir nicht vielleicht helfen, wenn Du Dein Versteckspiel offen legst? Dann machst Du die Tür zu fordern Gelegenheiten zu. Ich glaube, dass es nicht einfach nur eine Konditionierung ist.
Hm, das ist keine schlechte Idee, aber ich weiß nicht, ob sie umsetzbar ist. Ich hatte das Thema schonmal mit meinem Freund, ganz am Anfang - ich hab ihm gesagt, dass ich nachts heimlich geraucht habe (er hatte übrigens nichts gemerkt) und dass er bitte seinen Tabak vor mir verstecken soll. Naja, mein Raucherhirn hatte dann, als er nicht zuhause war, natürlich den grandiosen Einfall, überall nach seinem Versteck zu suchen. Mein Freund nimmt das nicht so wirklich ernst - sein Versteck war sein Nachttischschränkchen :batscht :batscht
Und schon nach einer Woche hatte er ihn wieder in seiner Jackentasche, seinem Rucksack oder hat ihn einfach irgendwo liegen lassen, weil er vergessen hat, ihn wegzuräumen. Dem ist nicht ganz klar, wie wichtig mir das ist und weiter auf ihn einzureden bringt nicht so viel, weil er mir nichts vorschreiben will - es sei meine Sache, ob ich rauche oder nicht. Und seine damalige Aussage war auch "naja, selbst wenn ich ihn erfolgreich verstecke, du kannst doch einfach losgehen und dir neuen Tabak kaufen". Wo er recht hat...

Und auf Arbeit kann ich das nicht offen legen. Ich hab ja am Anfang Zigaretten vom Bewohner geraucht - das ist ein fristloser Kündigungsgrund weil Diebstahl. Und ja, auch darüber hab ich mir schon Gedanken gemacht, ob ich irgendwie Kollegen mit einbeziehen kann - aber es ist so geregelt, dass der Nachtdienst die Zigaretten austeilt. Und nur weil eine Kollegin aufhören will zu rauchen, werden die nicht die Zigaretten verstecken und das System umschmeißen, so kollegial sind die dann dort leider auch nicht... außerdem hab ich überall Zugang, ich hab für alle Türen und Fächer einen Schlüssel. Selbst wenn ein Kollege das in seinem Schließfach lagert - was ist, wenn derjenige frei hat? Oder Urlaub? Dann kriegt der Bewohner ja garkeine Zigaretten. Das ist alles leider nicht realisierbar. :-(

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Dienstag 13. Juni 2017, 12:50

Ich hab jetzt grade die Zeit genutzt und unser "Raucherfach" im Bücherregal leer gemacht. Da war ein durcheinander drin! Und alles voller Tabakkrümel, was für ein Dreck!
Hab jetzt alles schön geordnet in eine kleine, hübsche Box gepackt und die schlummert nun im Nachttischschränkchen meines Freundes. In das alte Raucherfach hab ich jetzt eine Tüte Chips reingelegt und werde das die Tage mal auffüllen mit hitzebeständigem Naschzeug.
Hoffentlich bringen die ganzen Psychotricks was :xenia :xenia

Ich hab mich jetzt ein bisschen eingelesen hier im Forum. Es geht ja so vielen Leuten wie mir! Manche haben mit Reduktion aufgehört, andere von jetzt auf nachher. Ich fühl mich garnicht mehr so doof mit meiner Versagerei, ich bin ja nicht die einzige. Und es ist nunmal eine Sucht, kein Hobby, davor kann ich die Augen nicht verschließen.

Was habt ihr so gemacht, statt zu rauchen? Habt ihr Ersatzhandlungen wie Tee trinken, einen Apfel essen, Kreuzworträtsel, an einem Stift lutschen? Braucht ihr das überhaupt?

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Mickie
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Mickie » Dienstag 13. Juni 2017, 19:58

Huhu Kat,

ich finde es ja bewundernswert wie du dein NMR angehst und auch gut das eine gewisse Strategie für Zuhause da ist, aber wie sieht es mit einem Plan aus, wenn der Heimlichsuchttroll klopft und dich zum Rauchen verführen will. Welche Strategie hast dir da bereit gelegt, z.B. statt heimlich zu Rauche, mal heimlich in eine Chilischote beissen, oder erstmal 5 Kniebeugen machen und ein Glas Wasser trinken. Wie sieht es aus, bevor du rauchst jemanden kurz per Nachricht dein Leid klagen, hier im Forum erstmal Fragen ist Rauchen grad sinnvoll oder oder..... Keine Ahnung welche Strategien gehen bei dir und welche nicht, ich würde mir aber einen Plan zu Recht legen, was will ich tun wenn.

Viel Glück bei einem NMR-Weg, du schaffst das schon.

Lieben Gruß

Mickie

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