Meine Suche nach dem Willen

Euer Tagebuch ist euer ganz persönlicher Begleiter durch eure rauchfreie Zeit
ryo
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Mittwoch 14. Juni 2017, 21:40

So, die erste Nachtschicht ist angebrochen.
Da das hier ja ein Tagebuch sein soll und ich, naja, gerne eher ausschweifend, erzähle, bitte stört euch nicht, falls heute Nacht noch einige Beiträge auftauchen. :-) Ich benutze das Tagebuch einfach mal als genau solches und schreibe meine Gedanken nieder in der Hoffnung, dass jeder Eintrag hier eine Zigarette ersetzt.

Ihr müsst auch garnicht alles lesen, um Gottes Willen, das meiste ist wahrscheinlich eh Kokolores oder einfach zu Papier gebrachte Gedanken.

Ich hab heute meine Eltern besucht (wohne nicht mehr zuhause), saß den ganzen Tag in der Sonne und hab gefaulenzt. Leider bin ich schon um halb 11 heute morgen aufgewacht, deshalb hoffe ich, dass ich die Nacht einigermaßen wach überstehe. Heute Abend war ich dann zu kribbelig, um nochmal zu schlafen... dafür bin ich jetzt relativ müde. Falls es garnicht mehr geht, mach ich später für 20 Minuten die Augen zu.

Die Nachtschicht hat begonnen und ich hab beim ersten Rundgang mal ein bisschen Tempo rausgenommen und das ganze entschleunigt. Vielleicht ist es nur Zufall oder eine Täuschung, aber ich habe das Gefühl, dass ich heute irgendwie bessere Laune habe als die letzten Monate und weniger schnell genervt bin. Das ist doch mal ein gutes Zeichen. :)
Ich hab einen Nachtschichtblock von 4 Nächten, Sonntagmorgen komme ich also aus der Nachtschicht raus und hab dann erstmal eineinhalb Wochen frei. Für die 4 Tage hab ich schonmal alle Zigaretten vorgestopft - 32 Stück, jeden Tag 4 morgens und 4 abends. Der Bewohner hat so ziemlich den allerschlimmsten Tabak, den ich je gesehen habe - ein roter Chesterfield, aber kein Feinschnitt, sondern eher so ein Grobschnitt... da sind teilweise Brocken drin von einem halben Zentimeter Breite und bestimmt 3cm lang. Bäh!! Noch dazu stinkt der wahnsinnig, is super trocken und lässt sich auch ganz schwer verarbeiten. :igitth :igitth
Ich hatte immer American Spirit oder - noch lieber - den blauen Pueblo Tabak, der war schön fein und gut zu verarbeiten. Aber so grobe, trockene Krümel sind echt ekelhaft.

Ich weiß nicht so genau... was ich denken soll. Ich versuche, die Gedanken an das Rauchen zu vermeiden, was auch eigentlich ganz gut gelingt. Das fühlt sich an, als hätte ich permanent irgendwas im Hinterkopf stecken, ich kann es jede Sekunde fühlen, aber eher undeutlich. Es ist da, aber ich lasse es nicht zu nah in mich ran. Ist schwer zu erklären. Während des Zigarettenstopfens eben habe ich daran gedacht, was ich hier als nächstes ins Tagebuch schreiben könnte und hab die Aktion an sich nicht direkt mit Rauchen verknüpft. Zumal der Bewohner wohl halb gerauchte Zigaretten in seinen Zigarettenetuis mit sich rumschleift und deshalb hier jetzt alles nach Stummeln riecht, pfui, furchtbar...

So, jetzt arbeite ich erst mal ein bisschen weiter, lese noch ein bisschen im Forum und freue mich, dass ich schon... *kurz rechnen muss* 44,5 Stunden rauchfrei bin!!! Und das soll auch weiterhin so bleiben!
Im nächsten Beitrag (der wahrscheinlich sehr bald kommt, weil ich mich sehr bald weiterhin ablenken muss) erzähl ich mal von meinen Zielen, die ich mir heute so gesteckt habe. Ich freu mich schon drauf.
Ich teile gerne Sachen mit euch, auch wenns euch nicht so doll interessiert :-) aber es ist schön, meine Gedanken hier hinzuschreiben und von so vielen netten Menschen so tolle Feedbacks und Ratschläge zu bekommen.

Danke!!!

Ich habe hier viele Tagebücher gelesen und ganz viele Leute schreiben, sie verdanken ihren Status als NMR vor allem der Unterstützung hier im Forum. Am Anfang fand ich das irgendwie komisch (ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, durch Allen Carr's Buch mit dem Rauchen aufzuhören!), aber jetzt kann ich das nachvollziehen. Man fühlt sich irgendwie verbunden, obwohl ich doch erst seit ein paar Tagen hier bin...
Ha, mein Fazit für heute: Rauchen ist zwar gesellig und man lernt neue Leute kennen, wenn man zum Beispiel auf Partys raucht oder in Kneipen nicht rauchen darf und sich draußen trifft... aber was mir gerade auffällt: hier im Nichtraucher-Forum ist es noch viel, viel, viel geselliger und netter!!!

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Mickie
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Mickie » Mittwoch 14. Juni 2017, 22:12

Genau hier ist es noch netter, denn hier rennt keiner los um sich eine anzustecken.

ich mag dieses kleine Forum hier und ich finde es gut wenn wann immer jemand für sich daraus die Kraft zieht und der Sucht die Stirn bietet.

Sich Dinge bewusst machen, das ist etwas was man sich mit dem Rauchen nicht traute und Zeit hatte man auch nie also ging man ungeduldig mit allem um. Achtsam mit sich selbst sein, nicht zu hart mit sich ins Gericht gehen und Standhaft bleiben seinem Ziel.

ich glaube du bist gut unterwegs.

Lieben Gruß

Mickie

ryo
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Mittwoch 14. Juni 2017, 22:47

Danke Mickie! Ja, Achtsamkeit ist in unserer hektischen, oberflächlichen, medienlastigen Welt leider sehr unterbewertet.
Ich habe während meiner Ausbildung einige Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen erfahren, die absolut Potenzial haben. Vielleicht schaff ich es demnächst, die durch das Nichtrauchen eingesparte Zeit in solche Übungen zu stecken.

Ich hätte mal zwei technische Fragen:
1. Zum einen wird mir die Zeit hier im Forum falsch angezeigt, die Uhr geht eine Stunde nach. Ich finde aber die Einstellungen nicht... wo haben die sich denn versteckt?
2. Wie kann ich meine Beiträge ändern? Ich finde auch den Ändern-Button nicht. :-(

ryo
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Mittwoch 14. Juni 2017, 23:39

Langsam wirds hier doch ziemlich ungemütlich, vor allem in meinem Bauch.

Ich hab jetzt tatsächlich einen kompletten, ganzen, vierundzwanzigstündigen Tag hinter mir, ohne eine einzige Zigarette anzurühren!! Das war schon lange nicht mehr da.
Mir ist übrigens eingefallen, dass ich Anfang April tatsächlich eine ganze Woche garnicht geraucht habe - wir waren eine Woche in Urlaub und dort hatte ich keinen Zugang zu Zigaretten. Mein Freund hat während der Zeit nicht geraucht und ich konnte mir ja schlecht Zigaretten kaufen. Eine ganze Woche, und es war aushaltbar. Nach dem Essen hats irgendwo im Bauch gestochen, aber Einschlafen und Auftsehen war absolut kein Problem. Kaum war ich zuhause und hatte die erste Nachtschicht, hab ich wieder die Kippen ausgepackt. Sehr schlau *Ironie*

Ich hab hier Obst und Gemüse stehen (das ich fast schon aufgegessen habe), mein Cappucchino macht sich so langsam bemerkbar - ich bin nicht mehr müde, dafür aber recht hibbelig.
Und ich würd ganz gerne eine rauchen, wie blöd!! Ich hab jetzt schon so lange ausgehalten, und das böse Nikotinmonster will mich doch wieder überreden.

Das geht echt zu wie auf dem Bahnhof in meinem Kopf, der eine schreit "Ich will nicht rauchen, das stinkt!", der andere flüstert ganz einschmeichelnd "och komm, die eine... und dann hörst du wirklich auf!". Nur weiß ich, dass es mit "der einen" nicht getan ist. Ich werds wieder tun und wieder und wieder. Ich werd mir in 2 Stunden das gleiche sagen und in 4 Stunden und in der nächsten Nachtwache wieder. Ich muss JETZT standhaft bleiben, auch wenn ich nicht weit davon entfernt bin, die nächste Zigarette zu rauchen. Puh, ich muss mal durchatmen.
Meine scharfen Radieschen sind leer, mein Handgelenk ist schon ganz rot vom Gummischnipsen. Und in meinem Kopf schwirren Zigaretten herum.

Ich hab jetzt noch eine gute Stunde Arbeit vor mir, bis ich mich wieder meinem "minuziösen Plan" widmen kann. Auf meiner kleinen Liste stehen noch Sportplan ausarbeiten, Fotos bearbeiten, Schuhe kaufen (haha) und ein kleines, sehr zeitintensives Medienprojekt.


Ich habe vorhin von Zielen gesprochen, die ich habe.
In einem Monat findet eine Abiturienten-Feier meiner alten Schule statt für alle Ehemaligen der letzten Jahre, also auch mich. Ich freu mich vor allem darauf, meine alten Lehrer wieder zu sehen und möchte dafür so fit wie möglich sein! Sportlich, gesundheitlich, optisch - ich hab den Ehrgeiz, bis dahin im Gesicht einigermaßen blutfrei zu sein (Dermatillomanie...), rauchfrei sowieso und vielleicht ein bisschen sportlicher. Mal schauen, was daraus wird, ich werde hier regelmäßig updaten, auch wenn ich nach wie vor darauf aufmerksam machen möchte, dass ich definitiv nicht erwarte, dass das hier überhaupt jemand komplett liest. :-) Ich hoffe auch, dass keiner meckert, weil ich so viel schreibe... aber das hilft mir ungemein beim Nichtrauchen. Sorry!

ryo
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von ryo » Donnerstag 15. Juni 2017, 02:50

Ich hab mich die ganze Zeit versucht abzulenken, hab mir Arbeit gesucht und mir die Zeit vertrieben, aber gegen 20 vor 4 wurde ich dann doch schwach.
Jetzt sitze ich hier, stinke, fühle mich mies, habe schlechten Atem und - was mich beunruhigt - bekomme schlechter Luft, ein bisschen als würde ich durch Stoff durchatmen. Sowas hatte ich noch nie, vielleicht ist es ein Placebo-Effekt, vielleicht aber auch die Reaktion auf die Zigarette.

Naja, jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen, ich sehs als tolle Entwicklung, dass ich so lange nicht geraucht habe, jetzt fängt der neue Versuch an. Immerhin habe ich jetzt noch einen riesigen Ansporn, das Gefühl, nicht richtig Luft zu bekommen, ist nämlich furchtbar.
3 Nächte hab ich noch, danach habe ich eineinhalb Wochen frei. Vielleicht ist die freie Zeit die bessere Gelegenheit, endlich NMR zu werden und das auch durchzuziehen. Wenn ich eineinhalb Wochen strikt durchgezogen habe, nicht zu rauchen, fällt mir das beim nächsten Nachtwachenblock sicher leichter, auch weiterhin durchzuhalten.

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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Khandro » Donnerstag 15. Juni 2017, 13:29

Hmm, jetzt schieben ist doof. Also ich hatte ja auch total einleuchtende Gründe, warum ich ausgerechnet JETZT NICHT aufhören sollte. Bla Bla Bla vom Sucht Teufel. Die Sau weil Dich kippen (rauchen) lassen.

Genau jetzt ist der beste Zeitpunkt! Dann hat Du in Seinen freuen Zagreb schon einen dreiviertel Block auf der Uhr.

Was hälst Du von einem Ticker?
Liebe Grüße
Khandro


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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Der von der Eva » Donnerstag 22. Juni 2017, 07:22

ryo,

Sei mir nicht barsch, aber als aktive Nikotiniker können bzw. konnten wir alle keine eineinhalb Wochen weit denken. Das Gift verhindert das.
In Deinem Kopf wohnt ein vierjähriger Psychopath, und der will Dich umbringen. Sein Trick funktioniert so: Jedes einzelne mal, wenn Du daran denkst, nicht mehr zu rauchen, schnallt der das -er wohnt ja in Deinem Kopf- und bettelt und mault rum: Jetzt nicht, Nachtschicht ist grad unpraktisch, in der Freizeit, da wärs gut, später kannst aufhören.
Und wir sind alle auf den Typen reingefallen. Ich fast drei Jahrzehnte.
Der Kerl hat eine Schwäche: Er hat ein Kurzstreckengedächtnis, das bedeutet, Du kannst ihn mit seinen eigenen Waffen erschlagen: Schiiiiieeeeben. Jetzt nicht, später vielleicht.
Es geht nur um Heute, die nächsten Stunden, die nächste Stunde, die nächsten zehn Minuten, um genau jetzt. Jetzt rauchen wir erst mal keine, frag später noch mal. Jetzt grad nicht.
Dreh den Spieß um, und schieb den Irren vor Dir her. Das geht, denn dieses Verlangen vergeht wieder, und irgendwann kommt es halt zurück. Verhandel Dich da durch, das klappt.
Der beste Zeitpunkt für einen neuen Anlauf ist genau jetzt. Backen zusammenzwicken und durch, wir drücken Dir alle die Daumen! :daumendrueck
Du schaffst das.

Übrigens, der Ändern-Button verschwindet so nach zehn oder fünfzehn Minuten, oder sobald jemand auf den Beitrag geantwortet hat. Das ist bewusst so gestaltet.

Alles Liebe,
Robert
Seit 21.9.2013 freie Platzwahl im Restaurant! [ externes Bild ]

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"Wenn ich weiter sehen konnte, so deshalb, weil ich auf den Schultern von Riesen stand." -Isaac Newton
» Wer schweigt, stimmt nicht immer zu. Er hat nur manchmal keine Lust, mit Idioten zu diskutieren. « - bei Maja geklaut

Lani

Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Lani » Donnerstag 22. Juni 2017, 08:23

Huhu ryo,


wichtigf ist es nicht aufzugeben und das Krönchen direkt wieder zu richten und weiter zu marschieren.
Den Rest hat Robert schon gaaaaanz prächtelig erklärt.
In Stunden und Minuten zu denken macht es einfacher, als In Tagen, Wochen oder Monaten zu denken.
Da schiebt der Kopf plötzlich Panik und schwupps. Aber die nächsten 10 Minuten ohne, dass schafft der Kopf.

Also aufstehen und weiter laufen und laufen und laufen und laufen.... :enrfp

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Marc
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Re: Meine Suche nach dem Willen

Beitrag von Marc » Samstag 24. Juni 2017, 17:31

Ja,

da können wir wohl alle Robert nur vollumfänglich zustimmen.

Wie schaut es denn gerade aus?

rfG, Marc
One is One too many - and a thousand never enough!

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